Frauen leben kontemplativ im Bistum Münster
 

Ein Strahlen in der Stille

Für Schwester Sara ist kontemplatives Leben Heimat und Abenteuer zugleich
kontemplativ leben

Schwester Sara lacht viel, spricht mit süddeutschem Akzent und Temperament - mitten in Westfalen. In klösterlicher Ruhe. "Sie sind zu lebendig, reden viel." Vor vielen Jahren hatte das eine ältere Ordensfrau einmal zu ihr gesagt. Ein kontemplatives Leben wäre nichts für sie. Doch genau dies hatte die heute 39 -Jährige sehr bald angezogen.

Sie war 18 Jahre alt gewesen - "da drehte Christus mein Leben um". So sagt sie das heute. Ein Jahr, nachdem sie ihre Ewigen Gelübde im Karmel St. Michael in Dorsten-Lembeck abgelegt hat. Doch eigentlich war es die junge Sara gewesen, die sich damals nach Ihm umgedreht hatte. Nach der Stimme hinter ihr: "Mich gibt es wirklich!" - Doch da war niemand gewesen. Hinter ihr. Da war einer in ihr: Christus.

Diese "lebendige Christus-Erfahrung" hat die junge Frau nicht mehr losgelassen. Viel habe sie danach mit Jesus gesprochen. In ihrer eigenen kleinen Gebetsecke. Mit 19 gar in ein Kloster eintreten wollen, "im Überschwang". Doch: Sie hat es nicht getan. Denn da war noch ein anderer Wunsch gewesen, ein starker: Jener nach einer Familie. Einer "Großfamilie" gar, sagt Schwester Sara und lacht wieder. - Beides wuchs in ihr während ihrer Ausbildung und Arbeit als Erzieherin. Heute blickt sie zurück und erkennt: "Eine Sehnsucht nach Mehr, die habe ich gehabt."

Im Alter von 25 Jahren hat dieses konturenlose "Mehr" Ecken und Kanten bekommen, konkrete Gestalt. Bei Exerzitien in klösterlicher Umgebung. In der Stille hoffte sie zu erfahren: "Was will Gott von mir?" "Ich habe damals immer wieder bewusst Zeiten der Stille gesucht, um die Ruhe zu finden, die Gott hörbar werden lässt. Es ist ein Vorurteil, dass extrovertierte Menschen nicht zur Kontemplation geeignet sind. Gerade diese brauchen viel Stille."

Als sie durch das Tor des Klosters fährt, hat sie das Gefühl: "Ich komme nach Hause!" Und weint. "Ich wusste: Das ist die Trennung." Von der Familie, von Freunden - und dem Wunsch nach eigenen Kindern. Auch heute gesteht Sr. Sara sich ein: "Der Schmerz der fehlenden Mutterschaft ist da." Doch habe sie durch den Klostereintritt nicht aufgehört, Frau zu sein. Als Ordens-Frau will sie die "Freundschaft mit Jesus leben." In Stille.

Beklemmend war dieses nie für die zierliche Frau mit den wachen Augen. Das "innere Gebet", das sie den "Saft des Baumes" nennt, während die verschiedenen Gebetsarten die Äste darstellten, war für sie "stimmig". Von Anfang an. Dieses "liebende Aufmerken auf Christus hin", dessen Form in der Verantwortung jeder Schwester liegt, müsse nicht immer mit Gedanken ausgefüllt sein. Das Dasein genüge. Sensibel werde man, für Gott, für sich selbst, für die Umwelt. Vertrauen gewinne man in Christus, der da sei, auch wenn man es nicht spüre. Das verpflichtet ebenfalls zur steten Aufmerksamkeit - in Treue. Gerade für die Menschen, denen man noch stärker verbunden sei als im Trubel "draußen". "Ich trage ihre Anliegen jetzt anders mit."

Kontemplatives Leben - für Schwester Sara ist das ihr Weg, ihr "Abenteuer". Ihre Lebendigkeit - sie ist für die Ordensfrau Ausdruck einer lebendigen Beziehung zu Gott und den Menschen. Ihr stetes Gebet keine Pflichterfüllung, sondern eine "Struktur, die hilft zu leben". Zu jeder Zeit - mit Gott: "Wenn in der Wüstenzeit andere sagen: 'Du strahlst ja!' - Da merke ich: Das kommt nicht von mir!"

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